Dies ist ein BLOG: ein öffentliches Internet-Journal mit regelmäßigen Einträgen (Posts). Thema ist alles, was ich lustig, interessant, spannend oder ungewöhnlich finde - z.B. Weblinks, Fotos, Videos, Gags, Literatur- und Musiktips, Zeitungsartikel, Tagebucheinträge und sonstiges Brimborium. Daher auch der Name Tohuwabohu, denn einen roten Faden gibt es nicht, bzw. der einzige rote Faden bin ich :-) Diesen Blog gibt es seit 07 / 07. Es lohnt sich durchaus, auch die älteren Posts nachzulesen, wenn man die neueren mag. Und: Kommentare sind erlaubt/erwünscht, werden veröffentlicht und gern gelesen. Viel Spaß in meinem Webwohnzimmer! Tina
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Mittwoch, 29. Oktober 2008

Finanzkrise für Anfänger

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Hier mal in nicht zu vielen und nicht zu schwierigen Worten ein Erklärungsversuch der gegenwärtigen weltweiten Finanzkrise:

Wurzel des Bösen war wieder einmal die USA: in der Vergangenheit verwendeten viele Amerikaner ihre Einfamilienhäuser (deren Besitz in den USA so normal ist wie hier die Miete einer Wohnung) quasi als Kreditkarte. Durch zunächst steigende Grundstückspreise stieg auch der Wert der Häuser, so dass auch Kleinverdiener problemlos Hypotheken aufnehmen konnten und damit z.B. Autos, Urlaube, Luxusgüter, ja sogar den täglichen Konsum finanzieren konnten. Diese so genannten "Subprime"-Hypo-Papiere waren in tausenden von Portfolios / Aktienfonds enthalten, die auch europäische Banken, Rentenversicherungsanstalten und normale Aktienbesitzer kauften. Dann platzte letztes Jahr diese "Immobilien-Blase" (die Häuser verloren an Wert, die Hypothekar- und Kreditzinsen konnten häufig nicht mehr bezahlt werden) und sie platzt immer noch. Banken gingen bankrott, andere wurden verstaatlicht.

Zur aktuelle Krise 2008: Die Banken leihen sich normalerweise gegenseitig zu günstigen Bedingungen Geld. Jetzt passiert dies kaum noch ("Vertrauensverlust"). Da die Wertpapiere immer weniger wert waren und die Banken flüssiges Geld brauchen, musste der Staat nachhelfen und weltweit Tausende von Milliarden zuschießen, um die Banken liquide zu halten. Sonst wären sie im wahrsten Sinne des Wortes bankrott gegangen. Millionen von Menschen hätten all ihr Geld verloren und ebenso viele ihre Arbeit; Unternehmen wären in Konkurs gegangen. Um eine Massenabreitslosigkeit zu verhindern, musste und muss der Staat eingreifen. (Nach der Finanzkrise 1928/29 gab es 20-30% Arbeitslose - dies stellte sich später als idealer Nährboden für den Nationalsozialismus heraus).

Dieses zugeschossene Geld nun lagert der Staat nicht einfach im Keller, er muss es per Krediten / Anleihen von Fremdländern, Investoren etc. aufnehmen und muss dafür natürlich entsprechend hohe Zinsen bezahlen. Diese wiederum muss er mit Steuergeldern finanzieren, da sie aus der laufenden Rechnung bezahlt werden müssen. Der Staat hat also Schulden, die Banken profitieren davon und der Steuerzahler zahlt.

Wieder zahlt die Zeche also der "kleine Mann", der aber auch nur begrenzt belastbar ist, ist doch seine Situation ohnehin schon schwierig (durch Lohneinbußen, Arbeitslosigkeit, zu hohe
finanzielle Belastungen). Es handelt sich hier also nicht einfach um einen Teufelskreis, sondern um eine abwärts führende Teufelsspirale... die darin kumulieren wird (falls nicht von Seiten
der Politik und Wirtschaft massiv eingegriffen wird), dass es in nicht allzu ferner Zukunft eine globale absolute Zweiklassengesellschaft geben wird (fast nur Arme, wenig Reiche, die Mittelschicht wird verschwinden) - sukzessive könnte es - ein mögliches Szenario - z.B. zur Revolution der Unterschicht kommen, falls diese, durch Beschwichtigungen, Fernsehen und Billigkonsum eingeschläfert, den Hintern noch hochkriegen.

Montag, 20. Oktober 2008

Noch einmal: Haider ist hin

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Um den Krokodilstränen, Verklärungen und der schon beginnenden Legendenbildung um den Kärntner Rechtspopulisten Jörg Haider, den letzte Woche 25.000 (!) Menschen zu Grabe getragen haben, a bisserl wos entgegenzusetzen:

Erstens: Der Verrückte ist besoffen (1,8 Promille) und mit doppelt so hohem Tempo wie erlaubt (142 km/h in einer 70er-Zone, dazu war es bergig, kurvig, unübersichtlich und stockfinster) in ein hoch riskantes Überholmanöver gegangen, mit dem er nicht nur sich, sondern auch die Lenkerin des überholten Fahrzeuges in Lebensgefahr gebracht hat. Nicht auszudenken, wenn am Straßenrand noch Personen gestanden wären oder er Gegenverkehr gehabt hätte. Da hätten ohne weiteres etliche Menschen draufgehen können; insofern Glück, dass es nur ihn getroffen hat.

Zweitens: Er hat nie einen Hehl aus seiner ultrarechten Gesinnung gemacht und diese immer wieder auch öffentlich geäußert in einer Form, die ihn in Deutschland (Stichwort Wiederbetätigung) vermutlich vor Gericht gebracht hätte - in Österreich sieht man das ja leider nicht so eng. Ein paar Zitate:

"Im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt." - Haider 1991

"Das wissen sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache." - Haider 1988

"Es ist gut, dass es in dieser Welt noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben, die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind." - Haider 1995 zu einer Gruppe von Waffen-SS-"Veteranen"

"Wir geben Geld für Terroristen, wir geben Geld für gewalttätige Zeitungen, wir geben Geld für arbeitsscheues Gesindel und wir haben kein Geld für anständige Menschen." (ebenda)

"Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann." - Haider attackiert beim Rieder Aschermittwoch den Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant

"Wenn einer schon Adamovich heißt, muss man sich zuerst einmal fragen, ob er eine aufrechte Aufenthaltsberechtigung hat". - ein Jahr später greift er an selber Stelle den Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs Ludwig Adamovich an

"Die Freiheitlichen sind nicht die Schädlinge der Demokratie. Wir sind das Schädlingsbekämpfungsmittel. Bei uns regieren die Rothäute und die Schwarzen - nicht wie anderswo - wo sie in Reservaten leben." - Haider 1990

"Die, die da hinten schreien, werden - wenn ich etwas zu sagen habe - ihre Luft noch brauchen. Zum Arbeiten." - Haider 1994

"Man darf sich nicht damit begnügen, dass Kärnten frei und ungeliebt bleibt. Dieses Land wird nur dann frei sein, wenn es ein deutsches Land sein wird." - Haider 1984

"Ich war in Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, weil ich ein bisschen erproben wollte, wie das Zusammenleben mit den Schwarzen so ist, wenn sie die Mehrheit haben. Mit den Schwarzen ist das wirklich so ein Problem. Selbst dort wo sie die Mehrheit haben, bringen sie nichts zusammen. Da ist einfach wirklich Hopfen und Malz verloren." - Haider 1995

"Das Recht der Inländer auf Heimat ist stärker als das Recht der Ausländer auf Familienleben. Deshalb sollten wir von der europäischen Menschenrechtskonvention abgehen." - Haider 1995

"Jeder Asylant holt sofort seine Familie nach und lässt sie gesundheitlich sanieren. Auf Kosten der tüchtigen und fleissigen Österreicher." - Haider 1996

Hier noch ein Link zu einem gescheiten Anti-Nachruf aus der österreichischen Tageszeitung "Der Standard": http://derstandard.at/?url=/?id=1224255933702

Samstag, 18. Oktober 2008

Finanzkrise: Jetzt auch erste Bankenpleite in Österreich

Erstes heimisches Institut in Turbulenzen: Constantia Privatbank wurde übernommen

Von fünf österreichischen Banken zu 100 Prozent
Staat übernimmt Haftung über 400-Millionen-Kredit

Die Constantia Privatbank wird von fünf österreichischen Banken zu 100 Prozent übernommen: Die UniCredit Bank Austria, die Erste Group, die Raiffeisen Zentralbank, die Österreichischen Volksbanken und die BAWAG-P.S.K. AG übernehmen 100 Prozent der Anteile um 400 Mio. Euro. Weitere 50 Mio. Euro kommen von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Die Constantia Privatbank verwaltet derzeit mit 260 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund 1,2 Mrd. Euro ein Kundenvermögen von rund 10 Mrd. Euro. Weiters fungiert sie für mehr als 250 Investmentfonds als Depotbank. Die Bank verfügt über anrechenbare Eigenmittel von rund 172 Mio. Euro.

Im Sinne des von der österreichischen Bundesregierung beschlossenen Maßnahmenpaketes zur Stabilisierung des Finanzmarktes seien führende österreichische Banken übereingekommen, das Institut "zum Schutz der Sparer und Anleger zu übernehmen" und mit entsprechender Liquidität auszustatten, hieß es aus dem Finanzministerium.

Die Constantia Privatbank sei zuletzt verstärkt ins Gerede gekommen, "es gab einen massiven Vertrauensverlust", erklärte Nationalbank-Gouverneur Nowotny am Freitag. Die Auffanglösung sei vor allem deshalb notwendig gewesen, weil die Constantia als Depot-Bank rund 7 Mrd. Euro an Fonds-Vermögen verwaltet. (apa/red)

Quelle: http://www.networld.at/articles/0842/30/222626/erstes-institut-turbulenzen-constantia-privatbank

Wo soll das noch enden? Soll man seine Kröten wieder unter der Matratze oder im Sparstrumpf verstecken, weil sie da 1. sicherer verwahrt sind als in der Bank, und 2. sie da am wenigsten an Kaufkraft verlieren? Sofern man überhaupt noch welche hat, äh, Kröten meine ich. Am besten ist wohl überhaupt alles verpulvern... sind doch die Euronen desto weniger wert, je länger man mit dem Ausgeben wartet. Außerdem stärkt man damit die heimische Wirtschaft. Und Spaß machts auch noch, ordentlich was Flocken rauszuwerfen. Oder? Also hau wech die Kohle! Paadie, Schoppen, Schampus, Eipott!

Vgl. auch Outpolos erhellende Artikel vom 15.10. zur internationalen Ockensituation hier
http://bwstta.blogspot.com/

Dienstag, 14. Oktober 2008

...was "Der Alte" so alles gesagt hat / haben soll...

konrad_adenauer.jpg

ATTENTIONE, GASTWRITERPOSTING

"Wenn die Österreicher von uns Reparationen verlangen sollten,

dann werde ich Ihnen die Gebeine Adolf Hitlers schicken."

Konrad Adenauer

 

Dieses Zitat gibt per se nicht exact die einzige persönliche Meinung des Gastwriters (sooo einfach lasse ich mich nicht in 'ne Meinungsschublade packen ;-), noch der Bloghausbesitzerin (unterstelle ich jetzt mal), wieder , passte jedoch in den Augen des Gastwriters in interessanter Weise zum vor-vorherigen Posting mit dem Thema "Hin & Weg!"

Sollte die Gastgeberin es für unpassend erachten ziehe ich es zurück und ersuche um Deletierung; wenn nicht dann nicht #:-*

Gruß, Gastwriter

Sonntag, 12. Oktober 2008

Haider ist hin

Jörg Haiders Tod in der Rechtskurve

Jörg Haider, der rechte Populist, ein Hetzer mit Charme aber auch. Der Österreicher hat wie kaum ein Politiker ganz Europa in den vergangenen Jahren provoziert – und überfordert.

Von Markus Huber, Wien, 12.10.2008 0:00 Uhr

Die Bundesstraße B 71, die von Klagenfurt in Richtung Slowenien führt, war am Samstag ab den frühen Morgenstunden gesperrt. Kurz vor der Siedlung Lambichl hatte die Polizei Bänder über den Asphalt gespannt. Nur Anwohner durften passieren und einige Kamerateams.

Und was die dort filmten und fotografierten, ging um die Welt. Ein Ortsschild, das aus der Verankerung gerissen ist und auf der Straße liegt. Eine verwüstete Thujenhecke. Ein Betonsockel. Und mitten auf der Straße steht ein schwarzer VW-Phaeton. Die Front ist eingedrückt, die Windschutzscheibe eingeknickt, die Fahrerseite komplett aufgerissen.

In diesem Wagen und an dieser Stelle kam um 1 Uhr 15 in der Nacht zu Samstag der umstrittenste Politiker der österreichischen Nachkriegsgeschichte zu Tode: Jörg Haider.

Haider hatte Freitagabend noch an einer Veranstaltung zum Kärntner Landesfeiertag teilgenommen. Kurz nach Mitternacht verabschiedete er sich von den Parteifreunden, wollte mit dem Dienstwagen zu seinem Anwesen im Bärental fahren. Seine Familie wartete dort auf ihn, für dieses Wochenende war eine große Feier angesetzt, Haiders Mutter wird 90 Jahre alt.

Am Klagenfurter Stadtrand, eben in Lambichl, hatte Haider, der ohne Chauffeur unterwegs war, noch ein anderes Auto überholt. Im Ort selbst kam sein Wagen dann von der Straße ab. Der Phaeton touchierte zuerst das Ortsschild und schlitterte dann durch die Hecke. Die betonierte Fassung der dahinter liegenden Beete wurde Haider offenbar zum Verhängnis: Der Wagen krachte in den Sockel, überschlug sich mehrfach, kam erst 35 Meter weiter zum Stehen.

Für Haider kam jede Hilfe zu spät. Die Notärztin, die als erste am Unfallort war, habe ihn mit schwersten Kopfverletzungen angeschnallt im Wagen vorgefunden, sagte der Arzt Thomas Koperna. Die Fahrertür sei abgerissen gewesen. „Die Halswirbelsäule ist wahrscheinlich gebrochen gewesen, der linke Oberarm nahezu abgetrennt“, sagte Koperna. Haider wurde 58 Jahre alt.

An den Reaktionen, die sein Tod auslöste, kann man ablesen, welche Rolle der Mann, der gerade erst vor zwei Wochen bei den Parlamentswahlen mit seiner Partei BZÖ triumphal wiederauferstanden war, im Land gespielt hat. Im Österreichischen Staatsfernsehen liefen Sondersendungen an, sogar der Jugend-Radiosender FM 4 brachte eine einstündige In-Memoriam-Sendung. Vom Bundespräsidenten abwärts kondolierten alle Spitzenrepräsentanten des Landes, auch die Chefs der politischen Parteien würdigten Haider als „Ausnahmepolitiker“ (SPÖ-Chef Werner Faymann) und als „prägendste Politikerpersönlichkeit der Zweiten Republik“ (FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache).

Natürlich ist das alles recht pathetisch, aber eins stimmt wohl wirklich: Der in Oberösterreich geborene Haider hat das Land geprägt wie kaum ein anderer. 30 Jahre war er in der Politik aktiv, und vor allem in den 14 Jahren von 1986, als er die Freiheitliche Partei Österreichs übernahm, bis 2000, als die FPÖ in die Regierung eintrat, war er das Maß der Dinge im österreichischen Politikbetrieb. Er hat in diesen Jahren die FPÖ von einer Fünfprozentpartei zur zweitstärksten Kraft im Land gemacht, die bei den Wahlen im Herbst 1999 auf 28,3 Prozent kam. Trotzdem war Haider zunächst einmal ein Populist der üblen Sorte.

Er zog gegen Ausländer und Juden los, bewies immer wieder ein dubioses Geschichtsverständnis. Mal lobte er, in seiner ersten Zeit als Kärntner Landeshauptmann die „Beschäftigungspolitik der Nationalsozialisten“, mal verharmloste er die Konzentrationslager als „Straflager“. Er bezeichnete die „österreichische Nation“ als „ideologische Missgeburt“ und scheute auch nicht vor dem ganz rechten Rand zurück, etwa bei Treffen der SS-Kameradschaft 4 im Kärntner Krumpendorf.

In der Phase seines Aufstiegs galt Haider als das Böse der österreichischen Seele, so kam er auch in die internationalen Medien. Denn der Böse, laut internationaler Analyse ein Nazi, war eben auch der Mann, der fast 30 Prozent der Österreicher hinter sich versammeln konnte. Braungebrannt und schneidig war Haider auf den Titelblättern der „New York Times“, von „Newsweek“ und dem „Time“-Magazin. Er war es auch, der in Erich Böhmes „Talk in Berlin“ auf dem heißen Stuhl saß und die Kritik der versammelten deutschen Intelligenz an sich abprallen ließ. Gerade bei diesem Fernsehauftritt, im Februar 2000, zeigte sich Haider in Deutschland als ganz großes rhetorisches Talent: Weder Böhme noch der damalige OSZE-Medienbeauftragte Freimut Duve und schon gar nicht der jüdische Publizist Ralph Giordano – die alle versucht hatten, Haider vorzuführen – schienen dem Österreicher gewachsen zu sein. Stattdessen sagte Giordano nach der Sendung, Haider sei „einer der sympathischsten Menschen, die mir je begegnet sind“. Das Publikum, im Saal wie im ganzen Land, war verblüfft.

Jörg Haider war nicht zu fassen. Er war eine hochkomplexe und eigenartige Mischung. Er konnte den Nazi genauso wie den Staatstheoretiker geben, er war der plumpe Ausländerhasser und dann wieder der prononcierteste Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei, den Österreich aufzubieten hatte. Er konnte, und das überraschte jeden, der ihn persönlich kennenlernte, ein einfühlsamer, beinahe sanfter Zuhörer sein – und dann im Bierzelt auf die Bühne gehen und Sprüche rauslassen, die jeden CSU-Politiker am politischen Aschermittwoch erblassen lassen würden.

Vor allem in seiner späten Phase, nachdem die FPÖ in die Regierung eingetreten war und dann aber von Wahl zu Wahl stärker absackte, waren diese Stimmungsschwankungen Haiders erstaunlich. Immer wieder verkroch er sich im Privaten. Und kehrte doch mit vollem Elan auf die politische Bühne zurück und träumte davon, mit der Gründung des Bündnis Zukunft Österreich noch einmal wie in den 90ern zu polarisieren. Aber dann wollte er wieder aus der Politik aussteigen und einen Lehrstuhl an einer Universität einnehmen. Oder sogar eine Wein- und Buchhandlung in Klagenfurt eröffnen.

Während des gerade abgelaufenen Wahlkampfs schlüpfte der BZÖ-Spitzenkandidat Haider in eine an ihm noch nicht erlebte Rolle: die des elder statesman, der keine Bierzelte mehr besucht, sondern im Dreiteiler im Fernsehstudio sitzt und von der staatspolitischen Verantwortung der nachdenklichen Kräfte spricht. Das Wirtschaftsprogramm, das er dabei propagierte, hatte sozialdemokratische Züge. Er klagte über die hohen Kosten für Berufspendler oder die ausgedünnte Infrastruktur in den Dörfern. Selbst langjährige politische Beobachter konnten sich auf diese Inszenierung nun keinen Reim mehr machen. Sie waren endgültig von ihm überfordert, so wie es einigen von ihnen schon seit Jahren nicht gelungen war, Haider mit seinen eigenen Waffen zu schlagen und ihn als manisch-depressiv oder homosexuell zu outen. Sie stellten lediglich erneut fest, dass Haider sprunghaft sei. Und er war auch wieder erfolgreich: Elf Prozent erreichte das BZÖ bei der Wahl am 28. September, auch die Freiheitlichen gewannen dazu. Rechtsruck in Österreich!, klagten die europäischen Medien, und Haider reckte, strahlend, sportlich, die Fäuste in die Luft.

Jörg Haider hatte ein Gespür für die Stimmung der Bevölkerungsmehrheit. Dass die dann dazu führte, einen wie Haider immer größer werden zu lassen, machte am Ende das ganze Land nicht gerade sympathisch.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.10.2008)

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite-Joerg-Haider;art705,2634202

Sonntag, 28. September 2008

Österreich hat (das Böse) gewählt

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Dieser beide Geschlechtsteile umfassende Dampfplauderer hier ist H.C. Strache, FPÖ - der Mann, der gern Österreichs neuer Bundeskanzler oder zuallermindest Innenminister werden möchte. Was ansichts des gigantischen Rechtsrucks, den das Land heute erfahren hat, im Bereich des Möglichen liegt. Das vorherorakelte und trotzdem fast unfassbare Wahlergebnis heute abend in Österreich (Stand 19:00 Uhr):
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SPÖ 29,8 (-5,4)
ÖVP 25,7 (-8,7)
FPÖ 18,0 (+7,0)
BZÖ 10,9 (+6,8)
Grüne 9,8 (-1,2)
Andere 5,8.
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Nachdem die ÖVP Mitte-rechts liegt (vergleichbar mit der deutschen CDU) und FPÖ wie BZÖ ganz schlimme rechtspopulistische Truppen sind, liegt der Rechtsanteil hier nun bei deutlich über 50%. Fazit:
Jede/r zweite Österreicher/in wählt rechts,
fast jede/r dritte ultra-rechts.
Ich wandere aus.... :-(

Dienstag, 27. Mai 2008

Knill+Knill: Bildmanipulationen

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Bildmanipulationen - Eine Homepage mit echtem Aha-Effekt. Man weiß ja gemeinhin schon, dass in den Medien mit Fotomontagen etc. der Betrachter manipuliert wird, aber hier sieht man es mal konkret, technisch erklärt und mit vielen Beispielen belegt, wie man in TV, Presse & Co. bisweilen verarscht wird. Eine Eins mit Bienchen und Sternchen an Knill+Knill für diese geniale Fleißarbeit!

Im Bild das Merkel mal ohne, mal mit Unterarmschweißfleck. (Ein Klick vergrößert das Bild - wenn man unbedingt will.) Sowas ist natürlich eine absolut pipieinfache Retusche für die Grafikabteilung, bzw. macht das der Volontär mal schnell in Fottoschopp zwischen Frühstück und Postverteilen.

Dienstag, 12. Februar 2008

Tom Cruise hat einen an der Waffel

Sektenmitgliedschaft -Scientology-Video von Tom Cruise aufgetaucht

Eine unautorisierte und wenig schmeichelhafte Biografie des Hollywoodstars und Scientology-Anhängers Tom Cruise sorgt in des USA für Wirbel. Zudem bekräftigt der Star in einem internen Werbe-Film seine Verbundenheit zu der Sekte und behauptet, Scientologen könnten Krankheiten heilen und Kulturen einen.

Hollywood-Schauspieler Tom Cruise bekennt sich offen zu seinem scientologischen Glauben. Der Star ist der wohl bekannteste Vertreter der Sekte. In den USA sorgen ein Buch und ein Video zur Scientology-Mitgliedschaft von Hollywoodstar Tom Cruise für Aufsehen. Praktisch zeitgleich mit einer umstrittenen Biografie tauchte im Internet ein vier Jahre altes Video auf, in dem Cruise die Scientologen „Herrscher über den Geist“ nennt.In der Biografie behauptet der britische Autor Andrew Morton, Cruise sei der zweite Mann an der Spitze der Scientology-Organisation.

Der Anwalt des Schauspielers und die Scientology-Organisation wiesen die Vorwürfe zurück. Die Behauptung sei nicht nur falsch, sondern lächerlich, erklärte Scientology. „Er ist weder der zweite noch der hundertste. Herr Cruise ist ein Scientology-Gemeindemitglied und hat weder eine offizielle noch eine inoffizielle Position in der Kirchenhierarchie.“

In dem Video bekennt sich Cruise nachdrücklich zu seiner Mitgliedschaft. „Es ist ein Privileg, sich Scientologe zu nennen, und es ist etwas, das man sich verdienen muss“, sagt er zur Musik seines Filmhits „Mission Impossible“. Und weiter: „Wir sind die Autoritäten, um Leute von Drogen wegzukriegen. Wir sind die Herrscher über den Geist. ... Wir können Frieden bringen und die Kulturen vereinen.“ Nachdem Scientology mit Klagen gegen die Veröffentlichung gedroht hatte, nahmen einige Internetseiten das Video aus dem Netz.

Links:

Artikel gekürzt aus welt online, kompletter Text - mit vielen weiterführenden Links - hier: http://www.welt.de/vermischtes/article1561259/Scientology-Video_von_Tom_Cruise_aufgetaucht.html

"Tom und wie er die Welt sah" - ebenfalls empfehlenswerter Artikel aus stern online:
http://www.stern.de/lifestyle/leute/:Neues-Cruise-Video-Tom/608342.html?nv=rss

Link zum Cruise-Video auf Youtube (bald schauen oder speichern, bevor Youtube es auch vom Netz nimmt):
http://www.youtube.com/watch?v=UFBZ_uAbxS0

TiTo-etwas-offtopic-Backlink - Tom Cruise hat Angst:
http://tinastohuwabohu.blogspot.com/2007/09/tom-cruise-hat-angat.html

Mittwoch, 9. Januar 2008

Google und/mit/gegen Wikipedia

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Man sollte ja eigentlich meinen, dass im Sinne und zum Vorteil dieser beiden Online-Giganten und Monopolisten (Google als No. 1-Suchmaschine, Wikipedia als das Top-Wissensportal) wäre, zu kooperieren oder doch zumindest in friedlicher Koexistenz nebeneinander zu herrschen und sich den Markt zu teilen. Stattdessen wird in bester erst altkapitalistischer, jetzt web-2.0-digital-brachial-neo-kabitalistischer (scnr) Heuschreckenmanier versucht, sich gegenseitig die Ideen (bzw. gar den USP), Marktanteile und Benutzer wegzunehmen. Google drängt mit "KNOL" (derzeit noch, aber nicht mehr lange, in der Beta-Phase) in den Wissensportal-Bereich, während nun Wikipedia-Gründer Jimmy Wales verlautbaren ließ, mit "WIKIA" die Suchmaschine der Zukunft zu planen. Echt kleinkariert... Da lobe ich mir doch die "Goopedia"-Idee - oder auch Googlepedia, Wikoogle... keine neue(n) Idee(n), siehe Web.

Links zum Thema:
Knol:
http://www.googlewatchblog.de/2007/12/14/google-knol--zukuenftige-konkurrenz-fuer-die-wikipedia/
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,523408,00.html
http://www.talkteria.de/forum/topic-11278.html

Wikia:
http://www.pcwelt.de/start/software_os/wissen_lernen/news/140740/
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikia

Goopedia:
http://www.technoskop.de/tag/ideen/goopedia/

Weiteres bitte selber er-googeln oder ent-wikeln... ;-)

Mittwoch, 2. Januar 2008

Beistift - The Neverending Story

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Kaum ist man mal paar Tage nicht da zum Aufpassen, schon isser wieder weg. Hätte ich mir ja fast denken können! Danke, Blogspot! RRR"§!"§$§%&//({{\$$(?!!!GNZZmpf

PS: Wenn Sie dieses Posting nicht verstehen, macht nix.

Freitag, 28. Dezember 2007

Die prominenten Delinquenten

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Al-Kaida bekannte sich zu Bhutto-Anschlag

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Heutiger Bericht in der österreichischen "Kleinen Zeitung":

Die Al-Kaida-Führung habe telefonisch die Verantwortung für die Ermordung von Benazir Bhutto übernommen, berichtete die "Asia Times" am Freitag in ihrer Internetausgabe.
Den Angaben zufolge soll es sich bei dem Anrufer um den Chef des Terrornetzwerkes in Afghanistan, Mustafa Abu al-Yazid, handeln. Er habe den Mord als "ersten großen Sieg" gegen die Verbündeten des Westens in Pakistan bezeichnet. "Wir haben den wertvollsten amerikanischen Aktivposten liquidiert", sagte der Al-Kaida-Führer weiter. Bhutto hatte für den Fall eines Sieges bei der Parlamentswahl am 8. Jänner einen erbitterten Kampf gegen die Islamisten in ihrem Land versprochen.

Indessen wurde der Leichnam von Bhutto am Freitag im Heimatort ihrer Familie im Süden des Landes überstellt. Tausende Trauernde empfingen den Sarg mit der Getöteten bei seiner Ankunft in der Kleinstadt Naudero in der südpakistanischen Provinz Sindh. Im nahe gelegenen Dorf Garhi Khuda Baksh sollte sie nach Angaben von Vertretern ihrer Partei noch am Freitag an der Seite ihres Vaters Zulfikar Ali Bhutto, der 1977 als Premier vom Militär gestürzt und zwei Jahre später hingerichtet wurde, beigesetzt werden. Zu dem Begräbnis wurden Tausende Anhänger der Politikerin erwartet. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft.

Nach der Tat kam es vor allem in Sindh und der Provinzhauptstadt Karachi zu schweren Unruhen, bei denen nach offiziellen Angaben ein Polizist getötet wurde. Der Polizei und Augenzeugen zufolge wurden Dutzende Autos sowie Banken und Regierungsgebäude in Brand gesteckt. Nach Berichten pakistanischer Fernsehsender wurden insgesamt 15 Menschen bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet.

Wie viele denn noch, bis Ihr Irren einmal vernünftig werdet?

Sonntag, 25. November 2007

Skandal-TV & Ekelfernsehen

Aus der "TV-Tagebuch"-Glosse von Hansjörg Spies, gestern in der österreichischen "Kleinen Zeitung" zu lesen:


"Nach dem Ekel-Theater (Regietheater-Rabauken lassen auf die Bühne und auf Klassiker urinieren) winkt uns als schöne neue Fernseh-Welt demnächst, was der deutsche Medien-Experte Jo Groebel treffend als "Skandal-TV" umschreibt.

Kostproben gefällig? Spannung pur verspricht die russische Action-Show "Razzia": Kandidaten bolzen mit gestohlenen Neuwagen durch Moskau, verfolgt von der Polizei - wer entwischt, darf den Fluchtwagen behalten.

Beim britischen Channel 4 bieten "Sexinspectors" via Fernseh-Lektion Unterweisung an: Verklemmten erteilt eine "Sex-Nanny" praktischen Anschauungsunterricht vor laufender Kamera.

Lehrreiches kommt auch aus den Niederlanden: "Spuiten & Slikken" ist eine naturkundliche Experimentier-Show, in der Moderatoren und Tester im Selbstversuch Crack, Heroin, Kokain und Speed "testen".

Ach ja: In den USA prüft Barbara Walters für ABC gemeinsam mit einer schwangeren Sechzehnjährigen, welches von fünf adoptionswilligen Paaren das noch ungeborene Baby als Eltern bekommen soll.

Fallen derartige Formate unter Verzweiflungstaten quoten-gebeutelter Sender? Hoffentlich besteht keine Ansteckungsgefahr für den ORF."

Sesamstraße - schlecht für Kinder?

Quelle: Welt online

Ur-Folgen der Sesamstraße – jetzt mit Warnhinweis

"Krümelmonster, Köpcke, Kissen-Horchdienst – wer in den Siebzigern groß geworden ist, kennt die Reihenfolge. Kaum ein Kindertag ging damals ohne eine Stippvisite bei Ernie und Bert zu Ende. Die Erwachsenen ahnten nicht, welcher Gefahr sie ihre Sprösslinge dabei aussetzten.

Denn die Sesamstraße ist kinderschädlicher Hardcore: In den USA werden die soeben erschienenen Ur-Folgen der Serie mit einem Warnhinweis ausgeliefert: „Diese Episoden sind für Erwachsene bestimmt und passen eventuell nicht zu den Bedürfnissen von Vorschülern“.

Vieles von dem, was da am 10. November 1969 erstmals über die Schirme flimmerte, ließ das Blut der DVD-Produzenten, die das Material jetzt sichteten erstarren: Zwei Puppen, die unter prekärsten Bedingungen in einer Souterrain-Wohnung hausen. Ein grünes Monster mit schwersten Depressionen, ein blaues Ungeheuer auf der Überholspur zur Diabetes. Das sei zuviel für Kinder von heute, beschieden die Verantwortlichen und pappten das Warnschild auf die DVD-Box.

Und tatsächlich: Wer sich die ersten Episoden anschaut, merkt schnell, wie jugendgefährdend diese Sesamstrasse eigentlich war: Da riskieren Kinder ein Schleudertrauma, in dem sie sich eine Schlacht mit (sicher allergie-auslösenden) Kissen liefern. Gleich mehrfach wird etwas getrunken, was nach nicht-fettreduzierter Vollmilch aussieht. Ganz zu schweigen von einem Monster namens Oskar, das in einer Mülltonne lebt. Das Tier ist ein schlecht gelaunter Zyniker. „So einen Charakter könnten wir heute nicht mehr einführen“, erklärte Produzentin Carol-Lynn Parente.

Unzumutbar ist für die Kinder anno 2007 auch das verfressene Krümelmonster, dessen einzige Textzeile „Keeekse“ bis heute in den Ohren klingt. In der Ur-Sesamstraße mussten die Kinder mitansehen, wie der blaue Plüschberg aus Versehen eine Pfeife auffraß. Rauchen und maßloses Essen – die Szene wurde von der DVD verbannt. In der aktuellen Sesamstraße gibt es solche Probleme übrigens nicht mehr: Schon 2005 verordneten die Produzenten dem Krümelmonster eine strenge Diät. Es isst seitdem vorwiegend Äpfel und Kohlrabi."

Die spinnen, die Amis... Aus der "Sesamstraße" und der "Sendung mit der Maus" habe ich in den Siebzigern mehr gelernt als in der Schule - und bei der "Sesamstraße" und der "Muppet Show" habe ich vermutlich auch mehr gelacht als in allen Schulstunden zusammen :-) Und nicht nur das: gerade die Sesamstraßen-Figuren waren doch 1a Identifikationsfiguren - und Sinnbilder für Minderheiten und andere Denk- und Lebensweisen, toleranzbildend und politically correct wie nur irgendwas: Ernie und Bert - das schwule Pärchen, das sich ständig in den Haaren lag und dann doch in einem Bett schlief; Oskar - der obdachlose, im Müll lebende, herumkrakeelende Clochard mit Charakter; Graf Zahl - der mathematisch-manische, zwanghafte Nachtmensch; Bibo - der depressive Vogel, zu groß, zu dick, zu schwer zum Fliegen; das Krümelmonster - der Outcast mit Essstörung; Grobi - der Schussel mit dem guten Herz; Kermit - der olle Klugscheißer, den man einfach lieben muss. Undundund. Und sowas soll für Kinder schlecht sein? Pah...

Sonntag, 30. September 2007

Mischwesen aus Rind und Mensch - keine Science Fiction, sondern Realität

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CHIMÄREN / Mischwesen aus Rind und Mensch – die Briten brechen ein Tabu

Die Bioforschung lehrt: Wer die Tür einen Spaltbreit öffnet, bekommt sie nicht mehr zu. Er wird sie immer weiter öffnen.

Im Archäologischen Nationalmuseum von Florenz ist eines der berühmtesten Werke etruskischer Kunst zu bewundern: die Chimäre von Arezzo. Die stattliche Bronzestatue stammt aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert und kämpft ihren Todeskampf: Während der Löwenkopf aufbrüllt und der Schlangenschwanz zubeißt, neigt sich der Ziegenkopf bereits sterbend zur Seite. Ursprünglich soll die Chimäre Teil einer Gruppe gewesen sein: Ihr gegenüber standen die Angreifer Bellerophon und Pegasus – jene beiden Helden, die das feuerspeiende Misch- ungeheuer in Homers Ilias besiegen.

Wenn britische Wissenschaftler in Kürze Lebewesen aus Mensch und Tier züchten, um nicht auf menschliche weibliche Eizellen angewiesen zu sein, wird das Ergebnis nicht derart ins Auge springen wie die fast einen Meter hohe Arezzo-Figur. Der in der Petrischale gezeugte Embryo aus Rind und Mensch soll – so hat es die Londoner Aufsichtsbehörde für Fortpflanzungsmedizin und Embryologie genehmigt – nach 14 Tagen zerstört werden. Zu diesem Zeitpunkt ist er kleiner als einen Millimeter. Auch verweisen die Wissenschaftler darauf, dass er nur zu 0,1 Prozent animalisch ist, zu 99,9 Prozent aber der Gattung Homo sapiens zuzurechnen ist.

Die Pläne sind dennoch nicht weniger furchteinflößend als das griechische Fabelwesen. Bislang gehörte es zum weithin geteilten naturwissenschaftlichen Konsens, dass durch Chimären Krankheiten über Artgrenzen hinweg übertragen werden können und sie deshalb abzulehnen sind. Ethisch ist die Kreierung von Mensch-Tier-Wesen ohnehin inakzeptabel: „Alles von Menschen gezeugte“, lehrt Immanuel Kant, muss von Anfang an als Person betrachtet werden, der Mensch darf „niemals als Mittel zum Zweck missbraucht werden“. Mit ihren Experimenten verabschieden sich die Forscher einen weiteren Schritt von dieser einst unantastbaren Grundlage der Moralität. Unter dem Vorzeichen medizinischer Heilsversprechen wird die Instrumentalisierung des Menschen vorangetrieben: erst die Gesundheit, dann die Moral.

Die Kritik, die Londons Ankündigung in vielen europäischen Ländern hervorgerufen hat, zeigt, dass Großbritannien bislang isoliert ist. EU-Forschungsgelder werden nicht zur Verfügung gestellt. Doch wer die Geschichte der Biopolitik betrachtet, stellt fest, dass die Briten immer Vorreiter in der Embryonenforschung waren. Als man sich auf dem Kontinent noch über das Für und Wider der Stammzellforschung die Köpfe heißredete, legalisierten sie bereits das therapeutische Klonen. Jetzt schreiten sie erneut voran – Nachahmung so gut wie sicher.

Nicht zuletzt Deutschland ist ein Beispiel dafür: Wer die Tür in der Bioforschung einen Spaltbreit öffnet, bekommt sie nicht mehr zu, sondern macht sie immer weiter auf. Bei der Einführung der Stammzellimport-Gesetzgebung im Jahr 2001 warnten Kritiker, so werde der Lebensschutz ausgehöhlt, eine weitere Liberalisierung sei nur eine Frage der Zeit. In Kürze dürfte der Bundestag ihnen recht geben. In den Fraktionen zeichnet sich eine Mehrheit ab, den geltenden Stichtag zu verschieben und so die Substanz der bisherigen Embryonenschutzgesetzgebung zu zerstören. Wer Wissenschaftlern einmal neue embryonale Stammzellen für Experimente zugesteht, wird dies immer wieder tun, wenn die Forschung Frischware verlangt. So wird von Deutschland eben jener Anreiz zur Tötung von Embryonen ausgehen, den die ursprüngliche Gesetzeskonstruktion verhindern wollte.

Da ist es ein bemerkenswertes Zeichen, wenn Bundesforschungsministerin Annette Schavan in der Woche der britischen Chimären-Ankündigung ein Programm der Bundesregierung auf den Weg bringt, um alternative, ethisch unproblematische Verfahren zur Gewinnung pluripotenter Stammzellen mit fünf Millionen Euro zu unterstützen. Schavan gibt damit jenen Wissenschaftlern der Deutschen Forschungsgemeinschaft Kontra, die jüngst noch erklärt hatten, die Ergebnisse der adulten Forschung hätten sich als wenig erfolgversprechend herausgestellt.

Damit ein solcher deutscher Weg den Ansätzen in England ernsthaft entgegengesetzt werden könnte, bräuchte es mehr Unterstützer. Auch die Forschungsministerin ist nicht konsequent genug, wenn sie selbst einer Stichtagsverschiebung zuneigt. Die Warnung, die Bertolt Brecht im „Leben des Galilei“ allem Forscherdrang ins Stammbuch schrieb, ist aktueller denn je:
„Ihr mögt alles entdecken, was es zu entdecken gibt, und euer Fortschritt wird doch nur ein Fortschreiten von der Menschheit weg sein. Die Kluft zwischen euch und ihr kann eines Tages so groß werden, dass euer Jubelschrei von einem universalen Entsetzensschrei beantwortet werden könnte.“

© Matthias Gierth, Rheinischer Merkur Nr. 37, 13.09.2007
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Montag, 13. August 2007

Traurige Statistik

Wenn man die ganze Menschheit auf ein Dorf mit 100 Einwohnern reduzieren würde, aber die Proportionen aller bestehenden Völker achten würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengestellt:

>Kontinentalität<
57 Asiaten
21 Europäer
14 Amerikaner
8 Afrikaner

>Geschlecht<
52 wären Frauen
48 wären Männer

>Hautfarbe<
70 Nicht-Weiße
30 Weiße

>Religion<
33 Christen
20 Muslime
14 Hindus
13 Konfessionslos
6 Buddhisten

>Sexualität<
89 Heterosexuelle
11 Homosexuelle

6 Personen würden 59% des gesamten Weltreichtums besitzen und alle 6 kämen aus den USA

80 hätten keine ausreichende Wohnverhältnise

70 wären Analphabeten

50 wären unterernährt

EINER hätte einen privaten PC

EINER hätte einen akademischen Abschluss.