Dies ist ein BLOG: ein öffentliches Internet-Journal mit regelmäßigen Einträgen (Posts). Thema ist alles, was ich lustig, interessant, spannend oder ungewöhnlich finde - z.B. Weblinks, Fotos, Videos, Gags, Literatur- und Musiktips, Zeitungsartikel, Tagebucheinträge und sonstiges Brimborium. Daher auch der Name Tohuwabohu, denn einen roten Faden gibt es nicht, bzw. der einzige rote Faden bin ich :-) Diesen Blog gibt es seit 07 / 07. Es lohnt sich durchaus, auch die älteren Posts nachzulesen, wenn man die neueren mag. Und: Kommentare sind erlaubt/erwünscht, werden veröffentlicht und gern gelesen. Viel Spaß in meinem Webwohnzimmer! Tina
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Samstag, 6. Oktober 2007

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Samstag, 1. September 2007

Der unbekannte Held - Franz Seraphin Porcia

Als Fürst nicht tauglich -
Von einem guten Menschen und dessen verfehltem Ziel

Vielleicht sollte man Kroatien wieder einmal einen solchen Fürsten wünschen, denn da würde sich möglicherweise so manches in sein Gegenteil umkehren und gut werden:

Franz Seraphin (Fürst von) Porcia hieß dieser merkwürdige Mensch, den keiner verstand, in seinen Ländereien nicht und nicht in seiner Zeit, und verlacht hat man ihn, ja der Plebs von der Straße hat ihm Grimassen geschnitten, aber die Leute des Biedermeier waren ja auch nicht unbedingt helle Köpfe. Er wurde am 21.3.1753 in Gonobitz geboren und ist am 14.2.1827 in Venedig gestorben, und sein ungeheuer langer Adelstitel lautete:

"Fürst von Porcia, Brugnera und Mitterburg, regierender Graf zu Ortenburg, gefürsteter Graf von Tettensee, Erbherr auf Prem und Senosetsch, Herr der Herrschaften Oberdrauburg, Flaschberg, Pittersburg, Goldenstein, Grünburg, Möderndorf und Gegend, Herr auf Ober- und Unterlauterbach, Hornegg, Mallenhofen, Sr. Kaiserl. Majestät Erblandeshofmeister von Görz, etc. etc.",

und wir gedenken hier deshalb seiner, weil auch Mitterburg, also Pazin, unter seiner fürstlichen Gewalt stand. Hochdieselbe Familie stammten (Pluralis majestatis!) jedenfalls aus Pordenone in Oberitalien, und er hielt sich zumeist in Spittal an der Drau in Kärnten oder später in der Nähe von Graz auf, aber er regelte auch seine Geschäfte in Pazin auf eine merkwürdige Weise ordentlich, wie hier erzählt werden soll.

Hundert Anekdoten flackern durch die Geschichtsbücher von Istrien, Slowenien, Oberitalien, Untersteier und Kärnten; er hat ganz offenbar eine tiefe Furche in die Zeit gegraben. Die erzählen z.B., dass er sich als Nachtwächter verkleidet habe und durch die Dörfer und Kirchhöfe seiner Herrschaften gegeistert sei auf der Suche nach einfachen und armen Leuten, dass er Irrlichtern nachgelaufen wäre, sich "mit Totenköpfen und Unholden" habe malen lassen und "von Abdeckern zu Gevatter bitten" habe lassen, also bei den Letzten in der Hierarchie des 19. Jh. den Trauzeugen gespielt habe. Die Anekdoten erzählen weiter, dass er "schlechte Verse und langweilige Sentenzen fabriziert" habe (in der Tat sind in Bozen im frühen 19. Jh. Gedichte von ihm erschienen, neben religiösen Inhalts zumeist dem Hauptthema "Der Mensch als unselig Mittelding von Engeln und Vieh" verpflichtet), und sie erzählen weiter, dass er "oft kein Hemd getragen" habe und "seinen Sekretär ohne Rock von Kärnten nach Venedig spazierengefahren" habe.

Ein Gutteil dieser Anekdoten (es gibt noch eine sehr lange Reihe weiterer) soll von ihm selbst stammen: Er habe sich, wenn er auf einem seiner Sitze (...) aufgehalten habe, seinen Besuchern gegenüber als Diener ausgegeben und über "seinen Herrn", also über sich selbst, solcher Geschichten viele verbreitet haben. Ein schrulliger Mensch, gewiss.

Aber es gibt da auch eine deutliche soziale Komponente. Er habe Bettlern oder Bedürftigen an den Portalen seiner Sitze Brotlaibe gegeben, wird geschrieben, und er habe die Bedürftigen bei deren nächstem Erscheinen gefragt, wie es geschmeckt habe. Natürlich haben sie das Brot gelobt - aber da hat Franz Seraphin Porcia gewusst, dass die Bedürftigen das Brot nicht gegessen, sondern für Schnaps verkauft hatten, weil er in das Brot reichlich Münzen eingebacken hatte. Oder er fuhr über Land mit seinen zwei Schimmeln, und da sah er auf dem Acker einen Bauern pflügen mit zwei armseligen Kleppern - und augenblicklich hat er befohlen, das Gespann anzuhalten und die Pferde zu tauschen, denn der Bauer brauchte doch zwei starke Pferde nötiger als er, der er sie zuhause im Stall wieder tauschen und die Klepper aufpäppeln lassen konnte. Dann hat er einmal von seinem Buchhalter eine Aufstellung machen lassen über all die Forderungen, die er gegenüber den Bauern seiner Ländereien auf Istrien aus einem Jahr hatte, und der Buchhalter (...) summierte unter dem Strich: 2728 Gulden und soviel Heller waren ihm die istrischen Bauern nach diesem Jahr schuldig (...). Franz Seraphin Porcia strich die Rechnung durch und schrieb an seine Bauern: Das sind die Abgaben von diesem Jahr, aber ihr braucht sie notwendiger als ich, und er erließ ihnen die Abgaben und schrieb unter die Rechnung: "Gott sei Dank".

Diese soziale Komponente: In Wien versuchte in dieser Zeit der erzreaktionäre Metternich die feudalen Strukturen über die Zeit zu retten, und da war ein solcher Adeliger natürlich ein Greuel. Seine eigene Familie schlug die Hände über dem Kopf zusammen, aber Franz Seraphin Porcia sagte beiläufig: "Ich bin ein Mensch, dem die Vorsehung mehr gegeben hat, als er braucht. Ich kann mir manches verschaffen, was ich mir außerhalb der Ordnung des gewöhnlichen Lebens wünsche. Die Leute sagen, ich hätte nach mancher Torheit gejagt, indessen tun meine Torheiten niemandem weh, hingegen die Klugheit so mancher Leute die Menschheit weinen macht."

Dann heiratete er auch noch "unter dem Stand",, woraufhin ihm die Familie und der Adel die politischen Ämter verleidete, und er zog sich zurück auf ein Ausgedinge bei Graz und schrieb über seine Haustür sein Motto: "Deus felicitas, homo miserias", d.i. "Gott ist Glückseligkeit, der Mensch Elend". Eskapaden seien das, sagte der Adel, und niemand verstand den Franz Seraphin Porcia, der der Meinung war, dass die Welt seiner Zeit ungerecht war und dass es viele Unterprivilegierte gab. Und er ging noch weiter, ins Extrem sogar: Unerkannt arbeitete er jahrelang als Krankenpfleger in einem Krankenhaus in Florenz.

Seine Frau blieb bei ihm in einem kleinen steirischen Haus bis zu seinem späteren Tod in Venedig, und der Franz Seraphin Porcia resignierte irgendwann (...), er sagte nur mehr: "Ich kann es den Menschen nicht wehren, und bei ihrer Kurzsichtigkeit nicht verargen, auf ihre Weise zu schauen und zu urteilen. Es trägt jeder Mensch seine eigene Vexierbrille auf der Nase, und täuscht sich und die anderen."

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Abschrift des obigen Textes ohne freundliche Genehmigung des Dumont-Verlages, den ich bitte, nicht böse zu sein, und der ganz tolle Reiseführer und sonstige Druckwerke herausbringt.

Über Franz Seraphin Fürst von Porcia, diesen wunderbar schrägen Menschenfreund und Wohltäter, findet man im Internet so gut wie, also quasi, mehr oder weniger, NICHTS. Es gibt nicht einmal einen Mini-Artikel in Wikipedia - er wird dort nur am Rande in einem Artikel über eine Stadt erwähnt. Mag sein, dass sich höchstens noch einige kroatische Heimseiten mit Franz befassen und sein Andenken bewahren. Ein genuiner kroatisch-steirischer Hamlet mit einem klassisch tragischen Ende... Was für ein Stoff für ein Drama - oder einen Roman mit biografischen Zügen. Dass darauf noch niemand gekommen ist...

Davon abgesehen hat mich aber auch der Duktus des Artikels selbst fasziniert. Der Stil erinnert entfernt an Robert Walser (btw. - kennt DEN noch jemand?? Ich meine nicht Martin Walser...), ist ähnlich leicht, verspielt-naiv und in der Wortwahl altmodisch, aber lange nicht so genau und stilsicher. Die Wortwahl ist doch sehr simpel, und manche Formulierungen tun fast weh, wenn man etwas Sprachgefühl hat (z.B. "die Leute des Biedermeier waren ja auch nicht unbedingt helle Köpfe") Die Grammatik (siehe Konjunktive) wackelt auch ein wenig... und trotz allem passt das Ganze irgendwie zum Inhalt. Beide - der Fürst und sein Chronist - sind am Ende trotz bester Absichten tragisch gescheitert...

Übrigens, hieß nicht die Filmtochter von John Cleese in "Ein Fisch namens Wanda" auch Porcia? Und fragt nicht im Verlauf des Films irgendwer, warum er seine Tochter nach einem Auto benannt hat? :-) Genialer Film, immer noch und immer wieder, wenn er auch schon auf sämtlichen TV-Kanälen zu Tode gespielt wurde. Aber ich schwiff ab - wie kam ich da jetzt drauf? Egal. Jedenfalls:

Ich bin dafür, den 14.2. (an dem seit Anbeginn der Zeitrechnung nun wirklich nicht viel Spannendes passiert ist - vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/14._Februar) zum Seraphinstag zu machen, dafür kann man wegen meiner gern den Valentinstag kippen, der ja in Wahrheit kein Brauchtumstag ist, sondern vom Blumenhandel aus kommerziellen Gründen ins Leben gerufen wurde (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Valentinstag). Wenn man jemanden lieb hat, sollte man das eh übers ganze Jahr vehement demonstrieren - und kann dann selbstverständlich auf den 14-2-Sonderangebots-Strauß Billigblumen der Saison getrost verzichten. (Btw: Auch Kärtchen mit Schäfchen drauf sind spätestens seit Ende der 70er verboten!)

Faseln wir das Wichtigste abschließend noch einmal zusammen:
Franz Rules O.K.!

Samstag, 18. August 2007

Neues aus dem Bloghaus

Soch... der Urlaub ist gebucht. Heuer fahren wir wieder nach Kroatien, diesmal an die Riviera von Opatija, und zwar nach Lovran, fünf km südlich von Opatija und nur ca. 300 km entfernt von Graz, aber eine ganz andere Welt... durch und durch mediterran, mit mildem Klima, wunderbarer, immergrüner Vegetation, an den Abhängen der Gorica liegend, viel Wald, Edelkastanien, Olivenbäume, Lorbeer (=kroatisch "Lovran"), unmittelbar am Meer gelegen. Natürlich Zimmer mit Blick aufs Meer - es gibt ja wohl nicht viel Schöneres, als bei leisem Wellenrauschen einzuschlafen und aufzuwachen :-)

Auf dem Foto nebenan übrigens eine sehr fotogene Möwe aus Rovinj, wo wir einen Teil unseres letzten Urlaubs verbracht haben - ich darf an dieser Stelle mal Werbung machen für eins der besten und schönstgelegenen Restaurants in Rovinj: "Stella di Mare" (Adresse: Rovinj/Istrien, Croche 4, am Hafen). Eben dort hat diese Möwe uns beim Muschelessen und dolce far niente zugesehen. Hach... Kitsch pur und sooo schön! Außerdem sieht der Oberkeller EXAKT aus wie Morrissey, nur ein paar Jahre jünger *dahinschmelz"

Frommer's Review beschreibt "Stella di Mare" so:
"This laid-back restaurant is so close to the water that sea spray occasionally mists over outdoor tables when waves hit the rocky shoreline. Views of old Rovinj, boats in the harbor, gulls catching dinner, and the roiling sea are incomparable from the restaurant's blue-and-white umbrella tables."

Man verzeihe mir bitte den Urlaubsbeschreibung-mit-Tierfoto-Blog-Standard-Kitsch, aber beim Thema Kroatien geht mir halt immer das Herz auf. Oprostite molim, hvala lijepa!