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Donnerstag, 3. Juli 2008

So war das mit ESZET (siehe unten)!


Eszett-Exzess und Matschbrötchen

Das "Eszett" ist nun nach DIN-Norm auch ein Großbuchstabe.

Aus dem "Hamburger Abendblatt", 3. Juli 2008:

Darauf hat die Nation sehnsüchtig gewartet... Das ß kommt groß heraus
Von Peter Schmachthagen - Quelle (Abendblatt)

Im schwarz-rot-goldenen Jubel der zweiten Juni-Hälfte und der nachfolgenden Enttäuschung über das verlorene EM-Endspiel droht unterzugehen, dass Deutschland in diesen Tagen etwas viel Wichtigeres gewonnen hat als einen Pokal: das große Eszett (ß). Nicht erst seit zwölf Jahren, als Oliver Bierhoff mit seinem Golden Goal zum letzten Mal die Fußball-Europameisterschaft in unser Land holte, wartet die Nation sehnsüchtig auf die Erfüllung eines Traums, nein, seit Jahrhunderten sehnt sie sich, dass das ß endlich bekommt, was alle anderen Buchstaben seit jeher besitzen: einen eigenen Versal (Großbuchstaben).

Das Warten ist vorbei. Wie die International Organization for Standardization (ISO) jetzt bekannt gab, wurde ein großes ß als Latin Capital Letter Sharp S unter der Position U+1E9E in die Unicode-Sammlung aufgenommen. Das geschah auf Drängen des Deutschen Instituts für Normung (DIN). Die Damen und Herren in Berlin empfanden es offensichtlich als ungerecht, dass im Unicode zwar fast 100 000 Schriftzeichen und Textelemente aller Kulturen und Zeichensysteme der Welt als digitaler Code festgelegt sind, nur kein deutscher ß-Großbuchstabe. Ein unhaltbarer Zustand, zugegeben.

Während sich die Kollegen aus den Sportressorts leicht frustriert in die Sommerferien zurückziehen, jubelt das deutsche Feuilleton. "Das ß darf endlich groß werden", freut sich die "Süddeutsche", und die "Berliner Zeitung" stellt fest: "Späte Gerechtigkeit". Die "Allgemeine" aus Bad Kreuznach drängt die Tastaturhersteller, dem ß nun auch eine eigene Taste zuzuweisen, was ein wenig erstaunt, denn auf einem Keyboard mit deutschem Layout und deutschem Treiber existiert bereits eine ß-Taste - rechts von der Null. Allerdings erscheint, wenn wir gleichzeitig die Shift-Taste ("Großmachtaste") drücken, kein großes ß, sondern das Fragezeichen.

Das ist vollkommen korrekt, denn ein großes ß gibt es gar nicht, und was es nicht gibt, lässt sich auch nicht drucken. Die "taz" bringt die Frage des ß als Großbuchstabe auf den Punkt: "Keiner hat es je vermisst, jetzt ist es trotzdem da..."

Was für ein Eszett-Exzess...
Eszett - das erinnert mich an ein Produkt aus den 70ern - ESZET - und den dazugehörigen Werbeslogan: "In der allergrößten Not schmeckt Eszet auch ohne Brot"... Eszet, das waren so ca. 5x5 cm große, dünne Schokoladenscheiben, die man sich aufs Brot oder Brötchen legen und so verzehren sollte. War also quasi normale Milchschokolade, aber doppelt so teuer, weil sie eben qua Dünne, besonderer Größe und Werbestrategie "brotbelagstauglich" war. Naja. Ich habe damals in meiner 70er-Schulzeit lieber (und noch konsequenter ungesund) die legendären "Matschbrötchen" verzehrt - kennt die noch wer? 70er Kult: Einen Mohrenkopf/Schokokuss/Negerkuss/Schwedenbombe/Dickmanns (wie auch immer man die Dinger heute nennt) in ein aufgeschnittenes Brötchen legen und dann die beiden Hälften mit Schmackes zusammenklappen. Das doch eher unappetitlich aussehende Ergebnis mit tausend leeren Zucker-, Weißmehl- und Fett-Kalorien dann genüsslichst verspeisen. Lecker lecker Happaschlonz!